Preisdruck trotz positiver Bestandsdaten 

 September 3, 2020

By  Carsten Dohmann

Das amerikanische Energieministerium (DOE) veröffentlichte gestern seine wöchentlichen Bestandsdaten. Aktuell einer der Hauptindikatoren für Händler zur Bewertung der Nachfrage. Denn dies ist das allesbeherrschende Thema für die Preisbildung, in der aktuellen Marktsituation. Bestandsabbauten sind somit ein Zeichen für steigende Nachrage und Preise. Doch im aktuellen Kontext ist auch dieser Effekt schnell verpufft.

 

Größere Abbauten als erwartet

Es werden zu den Bestandsveränderungen wöchentlich Erwartungen ausgegeben, anhand derer sich die Entwicklung misst. So hat man diese Woche auch damit gerechnet das die Rohölspeicher im Vergleich zur Vorwoche abbauen würden. Die tatsächlichen Abbauten von ca. 9,4 Millionen Barrel Rohöl (á 159 Liter) haben die erwarteten 1,8 Millionen Barrel um ein vielfaches übertroffen.

 

Das gleiche hat sich auch bei den Destillaten wie Heizöl, Diesel und Kerosin, als auch bei Benzin widergespiegelt. In diesen Treibstoffsorten lassen die aktuellen Meldungen des DOE vermuten, dass mehr verbraucht wurde, als erwartet. Folglich ein Zeichen für stärkere Nachfrage und sich erholende Preise. Wenn nicht noch andere Faktoren die Daten verzerren würden.

 

Hurrikan beeinträchtigt Förderung

Nicht zuletzt wurde die Golfküste von einem Hurrikan der Kategorie 4 getroffen, immerhin der zweitstärksten Kategorie auf der Saffir-Simpson-Hurrikan-Skala. Folglich wurde 85% der Ölförderung in der Region aus Sicherheitsgründen unterbrochen und die Bohranlagen evakuiert.

 

Auch die Raffinerien der Küstenregion mussten ihre Produktion einstellen. Hafenanlagen waren für Ölimporte geschlossen, weshalb rund eine Millionen Barrel Rohöl am Tag weniger in die USA importiert wurde. Auf die Woche gerechnet immerhin sieben Millionen Barrel.

 

So ist der eigentlich preisstützende Effekt von sinkenden Lagerbeständen schnell wieder verpufft. Denn im Kontext betrachtet, hat der Hurrikan Laura Turbulenzen in den Markt gebracht, deren Auswirkungen sich erst zeigen müssen.

 

Ausblick

Händler erwarten heute Preisänderungen von ca. -1,25 bis -1,45 Euro pro 100 Liter Heizöl, im Vergleich zu Mittwochmorgen.

Carsten Dohmann