OPEC im Zugzwang 

 Oktober 14, 2020

By  Carsten Dohmann

Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat gestern ihren monatlichen Bericht zur globalen Ölmarktentwicklung veröffentlicht. Die Ölbörsen gerieten damit unter Druck, denn die OPEC hat zum wiederholten Male ihre Prognosen zur weltweiten Nachfrageerholung nach unten korrigiert. Gleichzeitig zeigt das Datenwerk aber auch, dass die globale Ölproduktion – zumindest aus Ländern, die nicht zur OPEC gehören – steigen wird. Zu viel Öl, für das es zu wenig Abnehmer gibt, lastet auf den Rohölpreisen.

 

OPEC muss Entscheidungen treffen
Der aktuelle Monatsbericht war dieses Mal von besonderer Bedeutung, denn die OPEC schlüsselt darin üblicherweise auch auf, wieviel Öl aus den einzelnen Mitgliedsstaaten für den betrachteten Monat gekommen ist. Da die Organisation und ihre Partnerstaaten (OPEC+) sich seit dem Sommer starke Produktionskürzungen auferlegt haben, um die Folgen der Corona-Pandemie für die Ölpreise aufzufangen, lässt sich hier oft erkennen, welche Länder sich an die Förderquoten halten und welche nicht.

 

In den vergangenen Monaten hatten einige Mitgliedsstaaten deutlich mehr Öl gefördert als erlaubt, darunter etwa der Irak, Nigeria und auch die Vereinigten Arabischen Emirate. Auf steigenden Druck der führenden Staaten Saudi-Arabien und Russland stimmten die „Quotenbrecher“ nicht nur zu, sich von nun an an die Kürzungen zu halten, sondern auch die bisher überproduzierte Menge zu kompensieren.

 

Aus dem aktuellen Monatsbericht geht nun hervor, dass die Vereinigten Arabischen Emirate sich offenbar an diese Vorgaben gehalten haben und im September täglich 0,24 Mio. Barrel (à 159 Liter) weniger gefördert haben als im August. Anders jedoch bei Nigeria, die ihre Förderung nur um magere 0,01 Mio. Barrel täglich reduziert haben. Der Irak hat seine Produktion sogar um 0,05 Mio. Barrel am Tag gesteigert.

 

Eigentlich plant die OPEC+, die bisherigen Förderkürzungen ab Januar 2021 zu senken. Die Kürzungen würden dann statt bei 7,7 Mio. Barrel nur noch bei 5,7 Mio. Barrel liegen und die Mitgliedsstaaten könnten insgesamt wieder 2 Mio. Barrel am Tag mehr produzieren. Doch Marktbeobachter rechnen inzwischen damit, dass die Organisation und ihre Partner die aktuellen Kürzungen erst einmal beibehalten könnten, da sich der Ölmarkt noch nicht so stark erholt hat, dass er noch mehr Ware verkraften könnte.

 

Ausblick
Verbraucher im Bundesgebiet können heute für Heizöl mit leichten Preisnachlässen rechnen. 100 Liter kosten durchschnittlich etwa -0,20 bis ±0,00 Euro weniger als gestern Vormittag.

Carsten Dohmann